Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände anlässlich des Tages des geistigen Eigentums:
“Weil eine Festplatte immer das Gleiche wiegt – egal ob 100, 1.000 oder 10.000 Musikdateien darauf gespeichert sind -, geht schleichend das Gefühl für den Wert von Musik verloren. Die fortschreitende Digitalisierung kreativer Inhalte wie Musik, Filme oder Bücher erfordert dringend eine Neubewertung des Urheberrechts. Vom Kopieren können Künstler nicht leben, deshalb brauchen wir eine breite Debatte zum Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Welt”.
Golem, 26.04.2007, gefunden beim René
Natürlich wird damit auf die Privatkopie angespielt, die am besten komplett abgeschafft werden soll.
Warum gehen die Leute davon aus, dass man kein duales System fährt? Seit 1992 sammele ich CDs, ich glaube neben der Musikindustrie hat sich vor allem ein schwedischer Möbelkonzert gefreut, habe ich doch regelmässig größere Schränke für den Shizznit gekauft. Mittlerweile kann ich den gleichen Kram auf so einem Teil unterbringen…
Nichts desto trotz, ich kauf weiterhin gerne CDs. Auch wenn mein Musikgeschmack vielleicht nicht so 1000% alternativ ist, bringen die Leute, deren Musik ich höre, noch Alben raus, die in einem netten Digipack, mit Bildern, Texten, sprich, mit allem drum und dran kommen. Das gehört für mich nach wie vor dazu, genauso wie die Freiheit, die Musik überall hören zu können, ohne einen CD Koffer mitschleppen zu müssen.
Allerdings hat sich mein Kaufverhalten mittlerweile stark geändert. Habe ich vor 3, 4 Jahren oft einfach noch blind gekauft (nach Cover, nach Empfehlungen, nach einmal Hören auf ‘nem Konzert usw.), so höre ich mir heute die meisten Sachen vorher lieber noch mal an. Irgendwann muss man einfach anfangen zu filtern, sonst kommen all zu viele One-track Alben dabei raus und der Schrank ist mittlerweile auch schon wieder voll.
Genau das macht einem die MI und die Vertriebler immer schwieriger. Bei den “Großen” im Onlinebereich konnte man ja bis her immer nur ein 30 Sekunden Schnippsel hören (bei Amazon.de bis heute nach wie vor nur im Realmediaformat, ganz toll…); sinnvoller, das ganze Lied in minderer Qualität ging nur beim Russen bzw. bei Shops, die auf sehr spezielle Genres beschränkt sind.
Blieb also das Probehören im Laden. Hab ich letztes Jahr bereits drüber geschrieben. War neulich noch mal in dem Laden, hab da ein Gutschein, der weg muss. Jedenfalls, die CDs, die ich Probe hören wollte, waren auch im System. Tja, was hat man gemacht? Das schlechteste aus beiden oben erwähnten Welten kombiniert. 30 Sekunden Auszüge in schlechter Qualität (höchsten 64kbit/s). Also ich kann damit kein 10 Minuten Lied beurteilen, ob ich das haben möchte… (unter anderem nicht gekauft habe ich deswegen Mezzanine, die neue Fanta 4 und noch einige andere…). Ich frage mich, ob das wirklich der richtige Weg ist, das Probehören auf mitgebrachten Platten von Freunden zu verhindern…
Leider befürchte ich ja, diese Art von “Musik” ist ein Symptom der Zeit. Jedenfalls kommt es mir so vor, wenn ich die Kiddies neben mir im Bus sehe und bedauerlicherweise auch höre, die mit dem Handy “Musik” “hören”: Lautsprecher des Handys auf Anschlag und raus kommt etwas, dass schlimmer klingt als 1940 der Volksempfänger. Wer Musik so konsumiert, hat es im Grunde auch nicht besser verdient, wenn er mit Musik vom 27. DSDS Klon bestraft wird.


Die zu Grunde liegende Frage ist meiner Meinung nach eher, für was man denn eigentlich Geld zahlt.
Ich glaube nicht an den Begriff des geistigen Eigentums. Der Begriff wurde gewählt wegen seiner scheinbaren Evidenz:
“Eigentum” kennt man und “geistig” heisst “im Kopf”. Alles klar!
Nur wurde nie die Frage gestellt, ob wir wirklich wollen, dass jemandem eine Idee gehören darf.
Wenn man sich auf den krassen “geistiges Eigentum” Begriff der Musikindustrie einlässt, folgt, dass man auch mathematische Sätze besitzen kann, den Zugriff darauf beschränken darf; denn Mathematik und Musik sind doch letzten Endes nur zwei Dialekte derselben Sprache.
Wir haben uns leider dran gewöhnt solche Begriffe klaglos zu übernehmen, gerade wo sie ja oft auch wirklich so “logisch” sind. Aber die Eigenschaften von Materiellen Gütern so mir nichts dir nichts auf immaterielle Entitäten zu übertragen, muss zu Widersprüchen führen.
Betrachten wir mal das (grossartige) neue Nine Inch Nails Album “Year Zero”: Die Lider sind vorher bewusst im Netz verbreitet worden (weil klar war, dass sie dort landen). Die CD im Gegenzug hat jede Menge Gimmicks, tolles Booklet, alles was man sich so wünscht (vergleichbar zur letzten Tool Scheibe). Nur so kann man mit Platten Geld verdienen.
Ist aber ja auch alles nix neues, die Ratten der Contentindustrie versuchen, das sinkende Schiff mit Gewalt und Gesetzen über Wasser zu halten so lange es geht, jedes Jahr, in dem es einfach so weiter geht bringt billige Gewinne ohne dass man sich Gedanken machen müsste.
Den ersten Absatz kann ich natürlich nur für mich beantworten: Ich bezahle gerne für die kreative Leistung eines Künstlers, aus einer Idee ein Werk zu machen, gleich welcher Form.
Eine Idee gehört sicherlich nicht unbedingt jemandem. Aber einer muss die Idee formulieren. Und das ansich ist in meinen Augen auch eine Leistung. Die Anerkennung dessen ist ja nicht gleichbedeutend mit dem patentieren der Idee.
Es gibt viele Ideen aber oft nur wenige Kreative, Irre oder sonstige Wahnsinnige, die visionär genug sind, eine Idee Wirklichkeit werden zu lassen.
Meistens kann man – so ist es zumindest meine Erfahrung in meiner Firma – dann aus einer Idee viel mehr machen und dazu gehört auch, dass ich als Entwickler nicht auf meinem Geistesblitz festsitze und niemandem Einsicht in meinen Code gewähre, sondern ich offensiv mit einer Idee umgehe.
Die Qualität der “Ware” Musik und ihrer Präsentation ist doch offensichtlich proportional mit der “Vision”, die da hinter steht: Möchte ich ein gutes Produkt machen, das hervorsticht, oder will ich die schnelle Mark machen, sei es mit einem absolut wertlosen Klingelton (wertlos in materieller als auch ideeller Hinsicht), mit einem nächsten”Superstar” oder oder… Leider verhält sich dann die Marktpräsenz und Durchdringung dieser Produktgruppen umgekehrt proportional zur Qualität.