Ich sollte aufhören, F!xmbr.de zu lesen, dann würde man sowas vielleicht wie ein Großteil aller anderen Deutschen nicht mitbekommen:
Professor Dr. Dr. h.c. Peter Oberender möchte Menschen helfen, die ein Spenderorgan benötigen. Klingt prima. Er möchte auch Menschen am Rande der Existenz helfen. Klingt auch prima. Bis man dann folgendes Zitat liest:
“Man muss mehrere Wege gehen.” Er verwies dabei auch auf die Lage der potenziellen Verkäufer von Organen: “Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.”
Na prima, bis die Hartz IV Schmarotzer verhungern, dauert wohl zu lange. Ausserdem, wenn die Organe kalt sind, sind sie ja auch nichts mehr wert.
Ganz besonders schön auch die Begründung mit dem Organschwarzhandel in anderen Ländern. Weil es in anderen Ländern katastrophal läuft, muss man hier etwas dagegen setzen. Müsste man nicht eigentlich sagen, dass man in anderen Ländern etwas tun muss? Nein, sie werden nur hinzugezogen, um solche Aussagen zu relativieren.
Das ist in meinen Augen das gleiche wie mit den Lohnkosten. Sicherlich sind die im Osten deutlich geringer. Das heisst aber noch lange nicht, dass sie deswegen hier auch gesenkt werden müssten. Ganz naiv und auch utopisch würde ich sagen, erhöht die Lohnkosten im Ausland so, dass die Menschen dort auch von ihren Gehalt leben können und irgendwann wird die “Flucht” von Unternehmen ins Ausland aufhören. Aber das ist vermutlich zu naiv, bin ja immerhin nicht vom Fach.
Herr Oberender führt dann u.a. noch weiter aus, dass der Organspender natürlich noch Versicherungen abschliessen müsste, falls er selber ein Organ bräuchte. Ja prima, jemand der so verzweifelt ist, sich selber wörtlich zu verkaufen, wird mit Sicherheit noch was auf der Bank haben, den Rest seines Körpers zu versichern.
Schon krass, dass man soetwas in Deutschland wieder sagen kann, ohne das es einen Aufschrei gibt. Immerhin ist der Radiobeitrag fast ein halbes Jahr alt, vom 22.12.2006.
Ich sehe an solchen Gedankenspielen nicht einmal eine Spur von Sinnhaftigkeit. Sicherlich kann man sagen “ja aber es passiert dann so oder so, auch illegal”, aber damit macht man es sich zu einfach. Solch eine Organbörse nutzt nur wenigen, nämlich denen, die auch heute schon genügend Geld haben, sich irgendwo, wo es keiner mitbekommt, einen kleinen Organspender zu halten.
Irgendwo fehlt den Menschen immer mehr die Menschlichkeit. Auf citronengras.de äussert ein Kommentator die Vermutung, dass Oberender die Organspende vermutlich selber durchgeführt hat…
Edit:
Passend dazu folgende Meldung:
Eine todkranke Niederländerin will kommende Woche in einer TV-Show ihre Niere verschenken. Drei Kranke bewerben sich um das Organ. Die Zuschauer: Sie stimmen per SMS ab, wem die Frau die Niere nach ihrem Tod spenden soll.
Gefunden bei Dons Tag sowie dem IT-Guerilla.
Letzten Endes die konsequente Fortsetzung von Big Brother, DSDS, Supermodel und wie sie alle heissen. Die Leere und Ohnmacht der Menschen wird gefüllt, in denen man ihnen das Leid und Elend anderer Menschen im TV zu Fressen gibt bzw. ein Gefühl von Macht durch die (Pseudo)entscheidung über das Leben anderer Menschen. In diesem Fall wörtlich zu verstehen.



[...] deutschen Blogs gibt es gerade eine Diskussion (fixmbr, planet-punk) über ein Interview mit Professor Dr. Dr. h.c. Peter Oberender, in dem dieser den folgenden [...]
Demnächst auf dem Sozialamt: “Haben Sie denn schon eine Niere gespendet? Nein? Na, dann kann es Ihnen ja noch nicht so schlecht gehen!”
Tja ich mt meinen 52 Jahren bin zwar noch kein Harz IV Empfänger, aber für 80.000 Euro plus Kosten für Krankenhaus, Anreise usw.würde ich SOFORT 1 NIERE und evtl.gegen Zugeld auch nen Stück Leber abgeben. Wie gesagt wenn jemand auch fmich zukommen würde sofort.MfG
Aber dann ist doch vermutlich auch eine Notwendigkeit gegeben, dass Du so denkst? Sonst würdest Du ja keinen konkreten Betrag nennen.
Wenn Du den Kommentar ernst meinst, puh, harte Aussage; finde ich.
Grüße zurück,
Michael.
ich finde die Aussage auch hart! Wenn jemand aus meinem Bekanntenkreis ein Organ von mir bräuchte was ich abgeben kann. Und er bräuchte es als letzte Chance um überleben zu können, dann würde ich es auch machen…aber aus Geldgründe, das widerstrebt mir doch!
Natürlich ist es erst gemeint…der konkrete Betrag resultiert daraus, daß dieser Betrag von mir benötigt wird um eine Existens aufzubauen auf selbständiger Basis, da ich normalen Arbeitsleben keine Chance habe. Deshalb bin ich bereit dafür was herzugeben um eine berufliche Tätigkeit nachgehen zu können und finanziel nicht vom Staat abhängig bin. Und dies kommt auch widerrum der Gemeinschaft wieder zu gute..MfG Jörg
PS: Aber um dahin zu kommen und die Kontakte zu finden ist noch ein weiter und harter Weg, was mir hoffentlich gelingen möge, denn es sollte eigentlich noch dieses Jahr über die Bühne gehen.
Kredite scheiden anscheinend aus… Naja, ich kenne mich nicht aus, was die Vergabe von Krediten zur Aufbau von Selbstständigkeit angeht, zumindest wird man ja mit Werbung für Privatkredite regelmässig zugebombt.
Jedenfalls alles Gute wenn Du das durchziehst… Ich glaub, bei so einem vorhaben kannst Du ein Stück Glück gebrauchen!
Makaber: Existenz”gründung”…
Hartz 4 und keine Kohle? Hast du noch alle Tassen äh, alle Organe im Bauch? Dann hätten wir was für Sie…
Gerade gefunden: Professor Oberender möchte Menschen helfen, die ein Spenderorgan benötigen. Und – schließlich lehrt er an der Fakultät R…