Ich war vor einigen Tagen so freundlich, nach Bitte einige Zitate eines nicht mehr existierenden Blogs aus meinen Kommentaren zu entfernen.
Die Bitte enthielt eine unterschwellige Drohung, ich hätte Zitate ohne Einverständnis verwendet, da es nicht erlaubt sei, Inhalte dieser Webseite ohne Einverständnis zu verwenden.
Ich habe mich im Nachhinein drüber geärgert, dieser Bitte umgehend nachgekommen zu sein. Ich hatte keine unwahren Zitate getätigt und nur weil sich jemand jetzt für seine Äußerungen, die er im öffentlichen Raum gemacht hat, schämt oder ärgert, ändert das nicht das Zitatrecht. Ich hatte die Zitate weder entstellt noch wesentliche Teile ausgelassen sondern wörtlich zitiert und mit Link bzw. Quellenangabe versehen.
Sinnvolle Zitate und die Argumentation darauf machen einen Streit erst spannend und gehören dazu, allerdings kenne ich nur wenige Leute, die eine vernünftige Streitkultur pflegen. Das Gegenteil einer solchen ist vermutlich eines der Dinge, die man typisch deutsch nennt: Drohen und Einschüchtern.
Mal abgesehen von diesen allgemein gültigen Dingen, betreffender ehemaliger Blogger hat es mit bewundernswerter Konsequenz geschafft, die Spuren seines Blogs in Google und Archive.org zu löschen. Hingegen finden sich zig Foren mit seinen Beiträgen. Die wird man nicht mehr so schnell los, wie den Eintrag seiner Homepage im Google Cache, das Gegenteil ist der Fall. Ich bin nicht der erste und werde auch nicht der letzte sein, der darauf hinweißt, dass “das Internet” vermutlich das beste Gedächtnis seit langem für einmal getane Äußerungen ist. Unter dem Aspekt achte ich mittlerweile sehr genau drauf, was ich wo und wie schreibe. Als ich jünger war, habe ich mir darüber auch weniger Gedanken gemacht, die Spuren findet man immer noch. Ich möchte mich nicht schämen müssen, wenn mich jemand zitiert (was der um Löschung bittender Autor in den Kommentaren zu seinen Artikel auch gemacht hat).
Beim Schreiben stelle ich fest, dass man auch in diesem Fall wieder schnell vom speziellen zum allgemeinen gelangt: Meine Eltern haben mir noch beigebracht, dass man vor dem Reden Denken soll. Auch im persönlichen Umgang miteinander im “first life” hilft das meistens weiter.