Van Canto – A Storm To Come
Wus, ein Powermetalreview auf Planet-Punk.de? Wiesu denn bluß? Ist Powermetal dann nicht nur was für Leute mit kleinen Schwänzen?
Ganz einfach, weil es sich um ein A capella Metalalbum handelt und damit noch mal eine nette, neue Idee in ein, seit gefühlten Ewigkeiten, stagnierendes Genre gebracht wird.
Da ich seit einer Ewigkeit keine Metalspezifischen Zeitschriften mehr lese, ist auch das Release des Albums Ende 2006 komplett an mir vorbeigegangen und ich bin durch Zufall auf DailyFratze.de auf ein T-Shirt dieser Band gestoßen.
Van Canto sind 5 Herren in Begleitung einer Dame. 5 Stimmen, ein Drumkit. Die Truppe schreibt von sich selber, dass sie Helden-Metal A capella zwischen Metallica und Nightwish “spielen”.
Van Canto: Ross, Sly, Ike, Strilli, Inga und Stef.
Tatsächlich trifft dies zu. Auf dem Album findet man neben einer gelungenen Battery Coverversion Melodien und Chöre, die nicht nur ein wenig an Nightwish und Blind Guardian erinnern.
Ich fang mal mit dem für mich negativsten an. Die Produktion des Albums. Eingefleischte Genrefans werden sie mit Sicherheit als “fett” und “druckvoll” bezeichnen, mir fehlt leider es leider an Dynamik, die Scheibe ist einfach nur schlimm laut. Schade eigentlich, denn so gehen nicht nur viele kleine Details fast verloren, die CD ist auf hoher Lautstärke schlichtweg nicht hörbar, weil zu anstrengend und clippend.
Allerdings ist das kein Problem, dass diese CD alleine hat, mir fällt da direkt das letzte Red Hot Chili Peppers Album ein. Irgendjemand hat mit dem Unfug mal angefangen und jetzt rennen alle hinterher.
Aber zum Positiven: Das Album eröffnet mit Stora Rövardansen, dem Titelsong des Films “Ronja Räubertochter” (vielleicht verstehen ja jetzt einige den einleitenden Satz
). Den Namen hätte ich nicht wiedererkannt, die Melodie um so mehr. Nicht nur, das mit dem Lied schöne Erinnerung wach werden, auch die Stimmen werden quasi vorgestellt.
Nach diesem kurzen Intro ist dann auch erstmal volles Tempo und “Bums!” angesagt. Mit den typischen A capella “oooohs”, “dam dams”, bereichert um “Rakka-Takkas” und Schlagzeug werden die folgenden Heldensagen The King und The Mission leidenschaftlich instrumentiert. Den Gesangspart teilen sich “Sly” (Philip Dennis Schunke) und Inga Scharf. Die Duette wirken im Gegensatz zu vielen anderen Metalbands (Männliche “Growls” und cleane Frauenstimme) nicht aufgesetzt, weil sich beide sehr schön ergänzen.
Überhaupt hat Sly eine enorm vielseitge, abwechslungsreiche Stimme und sticht angenehm aus dem Einheitsbrei vieler anderer Veröffentlichungen hervor.
The Mission und das schnellere Lifetime sind typische Powermetalstücke, schnell und laut. Im Vorbeigehen könnte man glatt den enthusiastischen Gesang überhören und denken, Hammerfall oder Manowar?
In She’s Alive wundert man sich auf einmal, dass man zwei Sologitarren hört… A capella aber nicht unplugged, Rakka-Takkas und andere Laute werden durch einen Verzerrer gejagt und herauskommen passable Soli. Cool.
I Stand Alone ist die in meinen Ohren beste Eigenkomposition auf dem Album. Das Lied ist eine Ballade, auf der die Leadstimmen und die Begleitung am Besten zur Geltung kommen. Das Stück passt am ehesten in die Nähe der anderen A capella Band, Rock4, die ich mag. Excellente Stimmen und keine Schonkost alá Wise Guys oder Comedian Harmonists.
Außerdem kann der Drummer Strilli (Dennis Strillinger) auch mal zeigen, dass er nicht nur Doublebase kann
Starlight ist witzig, leiht es sich doch ganz dreist den Gesang der “Diva” aus dem Film “The Fifth Element” aus. Außerdem ist es enorm vielseitig für Powermetal. Gelungen.
Metallica werden Battery wohl kaum noch einmal mit dieser stimmlichen Power aufführen, nichts desto trotz gebühren ihnen die Lorbeeren für den Song. Schöner Abschluss für ein gelungenes Album.
Alles in allem ein rundes Album, das eine gute Idee gelungen umsetzt. Für mich persönlich steigert es sich mit dem Moment, in dem die ganz krasse Powermetalschiene verlassen wird, auch wenn gerade die ersten 5 Songs für auf Konzerten für wilde Mähnen, empor gereckte Fäuste und weitere Klischees sorgen werden. Ich freu mich jetzt schon auf den Van Canto Auftritt auf dem Dong Open Air.
Mehr über Van Canto und einige Songs zum Anhören bzw. runterladen:
Kaufen kann man das Album “A Storm To Come” online als Mp3 Download oder als CD bei Amazon, EMP oder im Van Canto Shop.
Bleibt nur noch zu sagen: “Rakka-Takka, Motherfucker!”
Nach dem Klick gibt es noch das Video zu “The Mission”, dass den Elan der Band ziemlich gut rüber bringt:




[...] Ach ja aufmerksam wurde ich durch Planet-Punk [...]
Manuelles Trackback: http://www.fearblog.de/blog/acapella-metal/
Ich hatte gesehen, dass Du das verlinkt hast, aber ein Ping / Trackback ist nicht angekommen, hatte extra mal geschaut.
Ich freu mich, dass die Musik gut ankommt
Ich habe mir Van Canto vor nem halben Jahr oder so mal angehört, habe dann aber sehr schnell festgestellt das ich Power Metal weder in der normalen, noch in der A Capella version ausstehen kann. Netter Ansatz, aber sowas wie Death Metal oder Folk Metal wäre wesentlich witziger gewesen…
Ich hatte auch schon länger keine Scheibe dieses Genres mehr in die Hand genommen, aber da war ich jetzt einfach mal neugierig.
[...] Post bewege ich mich tatsächlich einmal auf Neuland. In der letzten CD Kritik ging es noch um Metal meets A Capella, dieses Mal um relativ leicht verdauliche Klassik mit Folk- und [...]
[...] Not zur Schlacht. Gut steht der CD dabei die transparente Produktion zu Gesicht. Wie ich schon zur A Storm to come von Van Canto erwähnte, mag ich es nicht, wenn CDs überproduziert und möglichst auf einen fetten [...]
Find ich sehr sehr geil!
http://www.myspace.com/vancanto
http://www.youtube.com/vancanto
[...] (via Michael) [...]