Selten ekele ich mich, wenn ich irgendwelche Dokus im Fernsehen sehe. Been there, saw that. Spätestens seit dem Internet denkt man, es gibt nicht mehr viel, das schockt.
Selbst die Homunculi wie in den Schönheits-OP Doku Soaps sind nichts neues mehr.
Bis ich die Tage eine Sendung über Vaginal Verjüngung gesehen habe und spontan dachte, ok, ich geh kotzen.
“Ich tue es für ihn, ich bin jetzt sexuell selbstbewusster”
Selbstbewusst. Das ist doch heute bei so vielen Menschen ein in jeglicher Form von außen generiertes Gefühl: Selbstbewusst durch tolle Marken, Konsumprodukte, “perfektes” Aussehen. Ich verstehe es nicht.
Vor ein paar Wochen hatte ich mir bereits auf dailyfratze.de meine Gedanken gemacht, habe es aber nicht so elaboriert wie es Luca auf 2-blog.net tut: Was ist Schönheit.
Spannend daran finde ich, dass Luca das Thema einerseits sehr reflektiert betrachtet, anderseits in meinen Augen mit ähnlichen Problemen kämpft:
Mein BMI entspricht dem Idealwert. Wohl fühle ich mich deshalb nicht unbedingt. Ich mache zu schnell schlapp, wenn ich laufe. Ich sehe meinen Bauch im Spiegel und schäme mich.
Schon wieder die Geschichte mit dem Idealwert.
Ich werde diese Leben wohl nicht mehr begreifen, was Ideal ist.
Bevor mir jemand kommt, ich könne da nicht mitreden: Erzähl mir keiner was nach 5 Jahren Essstörung in meiner Jugend, die mir so ziemlich die ganze geile Zeit zwischen 14 und 20 Jahren genommen hat.
Ideal ist für mich der Zustand, in dem ich mich wohl fühle. Und das ist in Maßen wirklich eine Kopfsache. Natürlich gibt es irgendwo eine absolute Größe, was pathologisch untergewichtig oder fettleibig ist, aber man kann einem Menschen, der ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat, als laut BMI für ihn gut ist, doch nicht absprechen, das er sich wohl fühlt, oder doch?
Ich glaube nicht daran, dass man schön ist, nur weil man sich in seinem Körper wohl fühlt. Auch der dicke Junge hat sich wohl fühlen können. So etwas kann man sich einreden. Bis der Kopf es glaubt. Manche Eltern unterstützen so etwas. Bewusst oder unbewusst.
Das stimmt nicht. Schönheit ist relativ.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Nur als Beispiel: 25. April 2007, leichtes Übergewicht. 25. April 2008, leichtes Untergewicht. Beides offiziell nicht ideal. Trotzdem fühle ich mich dieses Jahr wohler. Allen recht machen kann man es eh nie. Gab es vor einem Jahr blöde Sprüche über meine Bierplautze, so kann man sich jetzt über dünnere Arme echauffieren; für mich ein schönes Beispiel, dass man heutzutage als Mensch immer zwischen den Stühlen steht und sich am besten seine eigene, bequeme Sitzgelegenheit sucht. Das ist dann natürlich teilweise eine Kopfsache, aber solange – um in dem Beispiel zu bleiben – Untergewicht oder Fettleibigkeit nicht pathologisch wird, wird das auch eine Kopfsache, eine Sache des eigenen Empfindens bleiben.


Dass ich mich trotz “Idealwert” nicht wohl fühle, sollte auch zeigen, dass der Idealwert ziemlich egal ist. Auch wenn man es schafft sich es einzureden. Kann ich eigentlich recht gut. Einreden. Der Arzt sagt es mein Gewicht ist super. Leider hat er nicht gesehen, als ich hechelnd die Türe geöffnet habe, als ich die drei Stockwerke schnell raufgegangen bin.
Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Das stimmt. Jedoch schaffen es nur wenige, auch auszusprechen, wie ihnen jemand gefällt.
Weder den Jungen, noch das Mädchen hätte ich schön gefunden. Zugleich ist mir klar, dass es Menschen gibt, die das eine schön finden und auch welche, die das andere schön finden.
Ich verhalte mich oft so, dass es anderen Menschen passt. Menschen die mir wichtig sind. Ich empfinde das auch nicht verlogen, solange ich mich dabei nicht selbst verbiegen muss. Vielleicht ist auch nur meine Persönlichkeit noch nicht stark genug ausgeprägt.
Ich fühle mich wohl, wenn ich auch die Bestätigung der anderen bekomme.
Hallo Luca,
ich fand, Denis hat das hier sehr “schön” gesagt, hast Du ja auch verlinkt.
Schönheit ist vergänglich und oft wirklich nur für einen Augenblick gut.
Ich denke, daher ist es schwierig, für andere dauerhaft “schön” zu sein. Ist ja schon schwierig genug, einem selber zu gefallen, wie Du ja auch ganz richtig schreibst.
Sich so zu verhalten, dass man anderen gefällt und das andere auch noch aussprechen, wie ihnen jemand gefällt, ist auf Dauer – in meinen Augen – unmöglich. Ich bin schon froh genug, dass ich mir mittlerweile selber gefalle und meinen *persönlichen* Ideal(wert) gefunden habe.
Was Bestätigung angeht: Das kann ganz Leicht zur Sucht werden. Aber das gilt nicht nur für die Bestätigung der eigenen “Schönheit”.
Grüße aus Aachen!
So negativ meinte ich das gar nicht mit, Vergänglichkeit wollte ich eigentlich gar nicht betonen. Aber danke für die Blumen!