Besessenheit
Noch einmal was anderes als CDs und Zeugs, heute: Befindlichkeitsbloggen. Wer das nicht abkann, bitte direkt weiter blättern.
Besessenheit: Mein Stück Welt ein besseres Stück Welt machen. Das, was ich ändern kann, perfektionieren. Kennt ihr solche Probleme?
Im Moment leide ich ein wenig darunter. Ständig stolpert man in die Probleme andere Leute und schreibt frustrierte und wütende Posts. Ich komme im Moment gar nicht drauf klar, das soviele Sachen einfach unbedacht, ohne Reflexion gemacht werden und wenn der Trümmerhaufen oder einfach nur ein hässliches Stück Welt dann da liegen, ist keiner mehr da, der sich kümmert.
Im Grunde genommen alles kein Problem höre ich die Stimmen aus dem Hintergrund, ich kann es doch liegen lassen. Nein, kann ich eben nicht. Wenn ich mitten in der Nacht eine Email bekomme, dass der beschissene Captcha eines Gästebuchs, das sonst quasi zu 99% von Spammern genutzt wird, tatsächlich seit irgendeinem Update nicht mehr funktioniert, führt das dazu, dass ich wach bleibe und dieses Problem löse. Selbst wenn es nichts ist, was ich verbockt habe und ich genau weiß, dass ich danach grad gar nicht mehr schlafen kann.
Dinge “schön” zu machen ist eine klasse Sache und ich bin überzeugt, dass jeder Mensch in irgendeiner Form die kleine Welt um ihn herum seinen Bedürfnissen anpassen muss, aber manchmal wird es einfach zuviel.
Ein bisschen fühlt es sich so an, wie der Informationsüberfluß, den man mittlerweile am Rechner hat: Von allen Seiten Input, man möchte, will, soll alles anschauen und nachher fliegt einem alles um die Ohren. Ein bisschen hinkt der Vergleich, aber noch nicht so sehr: Wie filtert man das sinnvollerweise?
Oder anders: Wie kann man diesen Druck etwas verteilen? Schlussendlich hat der Post vielleicht nicht nur etwas mit meiner persönlichen Befindlichkeit, sondern auch mit anderweiten Problem zu tun: Wie bringt man andere Menschen dazu, ähnlich Ehrgeiz zu entwickeln? Sich mit Herzblut für Dinge einzusetzen? Mit dem Ziel, dass man sich auf ein Team verlassen kann und nicht am Ende des Tages doch wieder jede beschissene Kleinigkeit in die Hand nimmt, nur um zu denken: Ok, hätte ich es doch direkt selber gemacht?
Seien es Teams, Arbeitsgruppen oder einfach Personen, die sich etwas teilen. Jan stellt dort zum Schluss auch ein paar Fragen, u.a. “Wenn ich mir etwas teile, dann habe ich nicht nur fuer meinen Teil Verantwortung?!”. Verantwortung übernehmen, bedeutet für mich zwei Dinge: Ich mache anderen Menschen das Leben einfacher, wenn ich Verantwortung für mein Handeln übernehme und die Konsequenzen trage und andere Menschen machen es mir einfacher, wenn sie ihre Verantwortung ernstnehmen und ihre Konsequenzen trage.
Es muss nicht immer gleich die Besessenheit sein, Dinge auf die Spitze zu treiben. Dort steht man meistens eh alleine da. Aber ein bisschen mehr Ehrgeiz, mit gutem Gewissen sagen zu können: Ich mache das jetzt und das funktioniert und dafür stehe ich ein, würde an sovielen Stellen von anderen Menschen Druck nehmen und das Leben ein bisschen besser machen.
Ich weiß, völlig unzusammenhängend, aber einfach mal ein paar Gedanken, die genauso raus mußten, wie sie jetzt da stehen, bitte nicht gleich steinigen.


