Nach dem Jubiläumskonzert in München hat sich die Band Schandmaul auf Jubiläumstour durch Deutschland gemacht und ich hatte gestern Abend die Gelegenheit, mit einem Freund das Konzert im Kölner E-Werk zu besuchen.

Jedesmal wenn ich “Palladium” bzw. “E-Werk” höre, fange ich an zu grübeln, welches ich schrecklich finde: Das Palladium. Die Halle ist einfach nichts. Das E-Werk hingegen ist eine nette Location.

Witzige Szene am Einlass: Aus einem Reisebus steigt eine Gruppe älterer Herrschaften aus und geht schnurstracks zum Gästelisteneingang. Natürlich erheben sich – teils nicht sehr freundliche – Stimmen aus den wartenden Menschenmassen, was dass denn für eine Aktion wäre. Tja, ich würde mal sagen, das waren Angehörige oder halt auch einfach nur Fans, wohl kaum eine Rockkonzertkaffeefahrt, wo die Leute nachher Merch kaufen mussten.

Wir hatten uns es den ganzen Abend auf dem Balkon am gegenüber der Bühne “gemütlich” gemacht. Beste Aussicht, aber nur wenige Minuten nach Beginn des Konzerts unerträglich heiß. Was mich gefreut hat: Die meisten Besucher hielten sich tatsächlich ans Rauchverbot. Toll!

Vorband waren Reincarnatus aus den Niederlanden. 6 “lekkere meisjes” präsentieren einen mittelalterlichen Gemischtwarenkorb, der laut Homepage sowohl “Gothic Schwärmer” als “Mainstream Hörer” ansprechen sollen. Ich weiß nicht, ob das gelingt, aber zumindest mir gefielen einige der recht beatlastigen Songs recht gut, insbesondere die mit netten Sologitarren.

Ansonsten geht es mir mit Reincarnatus wie mit vielen Liedern von z.B. In Extremo in fremder Sprache: Kennste 2, 3, kennste alle.

Nichts desto trotz: Angenehme Vorband.

In der Umbaupause kamen wir auf die Idee, dass ich den Fotopass ja nicht nur nutzen konnte, um unbehelligt eine Kamera mitzunehmen, sondern auch, um in den Fotograben zu gehen. Tja und dazu muss ich sagen: Aus mir wird wohl so bald kein guter Konzertfotograf oder aber ich habe das falsche Equipment (wobei so geht’s auch ;) ). Trotzdem, nett war es schon, der Band während des Auftritts einmal so nah zu sein, ohne Ellbogen und Co. einsetzen zu müssen.

Zurück zu Schandmaul: Ich hatte fast den Eindruck, als wenn die Band kurz vorher noch mein Sinnfonie Review gelesen hätte und “weniger ist mehr” beherzigt hat. Auf der Bühne agierten sehr souverän Thomas, Birgit, Anna, Martin, Stefan und Matthias, letzterer mit einer “Farin Urlaub zu Zeiten von 13”-Gedenkfrisur.

Ich bin ein schlechter “Pressefuzzi”, ich habe mir natürlich wieder nicht die Setliste gemerkt, sondern nur einige Höhepunkte, wie z.B. “Die Melodie” als dritten Song, den man sich ja aus dem “bösen, bösen Internet” besorgen könnte, eine sehr geile, aufgejazzte Version von “Teufelsweib”, ein rockendes “Geisterschiff” und eine verspätete, aber nichts desto trotz wilde “Walpurgisnacht”.

Weitere Highlights waren “Vogelfrei” (das ich mittlerweile in der “normalen” Albumversion gar nicht mehr mag, weil es dort so altbacken klingt) und “Frei” vom aktuellen Album “Anderswelt”.

Thomas war als Frontmann amüsant wie eh und je. Für die Konzerte kann man sich anscheinend übers Internet Songs wünschen, was mit “Eure Setlist ist gar nicht mal so scheiße” kommentiert wurde. Herr Lindner ist aber auch nicht vor Selbstironie gefeit, sprang er doch wild auf der Bühne umher, nur um seinen Mantel auszuziehen, dessen Ärmel nicht über die aufgequollenen Lederbänder rutschen wollte.

Der Rausschmeißer sollte wie bei jedem Schandmaulkonzert “Willst Du?” sein. Leider ist innerhalb der ersten paar Takte ein Mädel umgefallen, woraufhin das Konzert unterbrochen wurde. Was ich merkwürdig fand, mit welcher Seelenruhe die Securities und anschließend die Sanies sich auf den Weg gemacht haben. Seltsam. Kommentar zum Vorfall: “Oh, da hat wohl jemand ‘nen Heiratsantrag gemacht.”.

Bevor der Song dann zum besten gegeben wurde, gab es dann noch ein spontanes “Trinklied”, was mit den etwas verpassten Einsätzen einer gewissen Situationskomik nicht entbehrte. “Willst Du?” selber danach war natürlich auch sehr schön.

Alles in allem, ein sehr schöner Abend. Im Gegensatz zur Veranstaltung in München war ich auch in einer deutlich positiverne Grundstimmung, aber ich fand das Konzert auch tatsächlich besser. Musik, Abmischung, Bühnenschau und Licht: Alles vom feinsten, topp gemacht!