Musik liegt in der Luft: Neue CDs Ende März

Der liebe Postbote hat mir die vergangenen 2 Tage eine Menge neuer CDs gebracht; da ich gerade krank geschrieben bin, konnte ich die tatsächlich mal selber entgegen nehmen.

Vorweg: Es handelt sich um drei CDs von drei Gruppen, von denen ich jeweils sämtliche Studioalben habe, ich also alle drei recht gerne höre…

Rage - Speak Of The Dead

Cover Rage - Speak Of The Dead

Fangen wir mit dem Mist an. Rage mit Speak Of The Dead. Ich habe die CD beim vorletzten Lied ausgemacht, es ging mir auf die Nerven. Tumbes Uffta, Uffta, Bumm, Bumm Metal mit zwanghafter Orchestrierung in den ersten 8 (von 15) Tracks. Die Mischung der CD macht den Großteil des Nervfaktors aus. Laut. Und zwar alles. Ständig. Massenkompatibel. Das mag zwar auf ‘nem Ghettoblaster gut klingen, weil der sonst schon nichts kann, aber auf neutralen Lautsprechern ohne Loudness und ähnlichem Mist klingt das einfach nur wie… akkustische Kotze.

Die Musik selber: Klingt wie eine Mischung aus alten und neuen Rage, sprich Ghosts meets Unity meets Soundchaser. Während ich die erstgenannte Platte noch zu meinen alltime Favorits zähle, sind die beiden Nachfolger noch nett zum zwischendurch anhören. Die Mischung ist… lame. Kommt noch das Orchester hinzu klingt es in meinen Ohren wie - sorry - Rondo Veniziano.

Wer Rage hören möchte, ist besser mit der grandiosen XIII oder der thrashigen Black In Mind oder sehr gerne auch mit recht alten The Missing Link, Speak Of The Dead ist meiner Meinung nach Ausschuss und Ausverkauf. Alleine die mittlerweile extrem lächerlichen Bookletfotos…

Koroded - To have and to unhold

Cover Koroded - To Have and to unhold

Zu einer ganz anderen Band, Koroded aus der Jülicher Ecke. Nachdem es vor zwei (?) Jahren mit dem Plattenvertrag bei Silverdust geklappt hat, haben die Jungs nicht nur eine Mammuttour absolviert (u.a. mit Crowbar) und sich mit einigen Besetzungswechseln geplagt, sondern nach der EP The absurd beauty of being alone den erste Longplayer auf Silverdust eingespielt: To have and to unhold.

Für die ganze CD gilt: Keine Kost für zwischendurch, das ganze Album ist ähnlich komplex wie Infestation von TABOBA. Die Produktion passt zur Musik: Straight und sauber und in keinster überproduziert wie das oben besprochene Rage Album.

Zeit nehmen sollte man sich für die CD, insbesondere sollte man mal das Booklet zur Hand nehmen, die Lyrics lesen, Jan Röder schreibt recht persönliche Texte. Ich finde es interessant zu lesen und zu hören.

Die Mischung aus Death, Nu Metal und Thrash kommt zwar nicht an die Höhepunkte von TABOBA (z.b. Unbreakable oder TABOBA selber heran, aber ist nichts desto trotz hörenswert.

Wenn es passt, sollte der geneigte Hörer mal auf nen Gig der der To have and to unhold Tour gehen. Bedauerlicherweise kann ich ob körperlicher Gebrechen (oh Gott… das wollte ich schon immer mal schreiben) nicht zur CD-Release Party im Komm Düren am 01. April kommen.

Schandmaul - Mit Leib und Seele

Cover Schandmaul - Mit Leib und Seele

Deutsche Texte, Musik zwischen Folk, Metal, Pop und Rock? Mittelalterliche Instrumente? Kann das gut gehen? Es kann, wie die Schandmäuler mit Leib und Seele eindrucksvoll nach ihrem letzten Kunststück beweisen.

Schon im Krankenhaus hat die Single Kein Weg zu weit mir Kraft und gute Laune gegeben, gerade läuft Die Tür in mir und ich muss sagen, ich bin hellauf begeistert.

Die Klausur hat der der ganzen Band gut getan; die Musik ist vielseitiger (in keinster Weise festgefahren wie z.B. Nordnord Ost, das letzte Subway To Sally Album), die Texte sind angenehm zu lesen, gut und teilweise mit sehr viel Witz und Intelligenz geschrieben.

Wirklich gelungen ist die Instrumentierung. Die “klassischen” Instrumente drängen sich genau wie Stromgitarre, Drums und Bass nie in den Vordergrund. Im Gegenteil, die ganze Melange wirkt wie aus einem Guß. Hätten sich Rage ein gutes Beispiel dran nehmen können oder beim Konzept des Linqua Mortis Album bleiben sollen: Nur Klassik und gut. Sehr gelungen sind übrigens die Chöre in Der Untote und Dunkle Stunde.

Was Schandmaul noch verbessern könnten, wäre ihre Webseite, die wahrscheinlich im Internet Explorer unter Windows funktioniert, ansonsten wegen der Flash und Frame Exzesse weder im Safari noch im Opera noch im Firefox unter Mac OS X wirklich komplett nutzbar ist. Wenn mich die Band nicht interessieren würde, wäre das leider schon ein K.O. Kriterium. Wir haben 2006, es gibt so etwas wie Standards und irgendwie ist das sehr 90ziger, Benutzer wegen ihrer Browser auszusperren.

Edit: Vielleicht bin ich ein wenig harsch bei der Webseite. Gut, dafür muss ich noch etwas positives sagen: Die Bookletfotos sind der absolute Hammer! Ästhetische Bilder von schönen Menschen erstklassik in Szene gesetzt. Spitze!

Fazit

Wenn ich einen Sieger wählen müsste, wäre es wohl Mit Leib und Seele. To have and to hold ist zu meiner Stimmung und Laune in den letzten Wochen leider nicht kompatibel, nichtsdestotrotz ist das Album nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Nicht empfehlen kann ich Speak Of The Dead . Die Ausgabe kann ich gerade noch als “der Vollständigkeit halber” entschuldigen, ansonsten leider ein Fehlgriff.

Alles in allem: Ich glaube, ich werde alt. Früher wäre ich total auf die Rage CD abgefahren, “Boah das rockt doch”, ja, aber nur die ersten zwei, drei Mal, hat nur leider keine Substanz. Schon merkwürdig. Ich sollte mal eine Liste von Alben aufbauen, die ich - seitdem ich sie habe - nach wie vor immer wieder gerne und komplett höre…

Gespannt harre ich jetzt der Bingo Show von Bela B. Schau’n mer mal, ob der Tag mit Schutzumschlag und das Album namens Bingo im Mai überzeugen können… Der Teaser klang mir zu sehr nach Sportfreunde Stiller

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Geschrieben am Freitag, 31. März 2006 von Michael J. Simons in CDs und verschlagwortet mit