Bela B. y Los Helmstedt, E-Werk Köln

Belas Peep Show

Bela B.

Das zweite Konzert in einer Woche, diesmal nicht akkustisch und ruhig, sondern hoffentlich laut und dreckig.

Am Nürburgring war ich noch skeptisch, ob Bela die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllt, heute habe ich mich auf gute Unterhaltung gefreut und sollte sie auch bekommen. Bela B. y Los Helmstedt haben alle Zweifel und Schüchternheit in Bezug auf sich und ihre Show abgelegt und rocken. Und zwar gewaltig. Dabei bleiben sie aber sympathisch und menschlich. Um direkt den Vergleich zu ziehen: Farin Urlaub wirkt als Solokünstler unnahbar auf der Bühne. Ganz der Rockstar. Mit allen negativen Aspekten. Bela B. ist - wie Los Helmstedt selber sagen - The Human Boss. Die ganze Zeit breit am Grinsen, Späße und Witzchen machend zieht er seine Show durch.

Bela B.

Zur Songauswahl kann man nicht viel sagen, Bela hat halt einige Stücke seines Hitalbums gespielt, namentlich alle, größer ist die Auswahl auch noch nicht. Dazu kamen B-Seiten, Deutsche kauft nicht bei Nazis, Coverversionen (Cindy Lauper - Money und was von Turbonegro mit Bela an den Drums, was sehr geil war) und jede Menge Ansagen. Ich persönlich hätte die Setliste variiert, getreu dem Queen Motto “Taub und Blind in den ersten 10 Minuten und die Meute gehört Dir”, mit der B-Vertüre, Gitarre Runter und dem Schutzumschlag angefangen. Schutzumschlag geht übrigens live weit mehr ab als auf Platte, richtig geil.

Sehr gefreut habe ich mich über das erste Lied des Tages, das am Ring noch ausgeklammert wurde. In voller Länge und zur Ehre Lee Hazlewoods gespielt inklusive Bandvorstellung. Überhaupt, Widmungen. Bela gestaltete den Abend sehr persönlich. Er erwähnte seine Freundin Christa aus Köln vor “Letzter Tag”, seinen Vater vor “Was ist nur Los mit uns” und gab so einiges von sich preis.

Zur Band: Lula war leider nicht damit, sondern eine gewisse Paule (mit dem Namen im Ärzteumfeld auftreten muss ja eine Strafe sein). Am Anfang irritierte mich ihre Stimme, nach wenigen Liedern allerdings war klar: Die Frau rockt, aber derbe. Kein übliches Frauengesäusel im Hintergrund, sondern eine richtig kraftvolle Stimme. Sehr gut. Wayne Jackson und Odin Olsenstolz sind begnadete Gitarristen, ihre genialen Soli gingen leider etwas unter und hätten durchaus mehr Applaus verdient. Überhaupt, Köln war sehr zurückhaltend.

Entertainment: Ich bin fast geneigt zu sagen, Bela ist nicht mehr nur Partyschwul. Hier ein Küsschen für Olsen, da einen Zungenkuss für Wayne. Aha? Man konnte die Herzen in der ersten Reihe förmlich brechen hören. Dazwischen interessante Tanzeinlagen von Paule mit so ziemlich jedem Bandmitglied… Auch sehr hübsch.

Bela B.

Toll fande ich, dass die Traumfrau, die auf die Bühne geholt wurde, auch wirklich hübsch war und keine dieser komplett in X-Tra-X Klamotten gehüllten Möchtegern-Super-Evil-Grufti-Schnallen war. Wahrscheinlich sind bei der Aktion auch noch die restlichen Herzen gebrochen…

Das Konzert war mit eines der besten dieses Jahr. Der Weg nach Köln hat sich sehr gelohnt. Ebenfalls positiv neben der Musik viel mir das E-Werk auf. Es schien nicht ganz ausverkauft zu sein, so dass es keine erdrückende Enge gab und man auch noch was vom Konzert hatte.

Nach wie vor bin ich sehr gespannt, wie es mit den Die Ärzte weitergeht. Bela sprach auf der Bühne von seiner Lieblingsband Los Helmstedt und schlägt somit in die gleiche Kerbe wie Farin, der sein Racing Team in den höchsten Tönen lobt. Man wird es sehen, ebenfalls in Köln. In wenigen Monaten.

Bela B.


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Geschrieben am Donnerstag, 14. September 2006 von Michael J. Simons in Konzerte und verschlagwortet mit