10 Jahre Schandmaul, München

10 Jahre Schandmaul

Schandmaul feiern dieses Jahr ihr 10 jähriges Bandbestehen. In der heutigen Zeit voller kurzlebiger Bands ein guter Grund zu feiern.

Ich selber bin geteilter Meinung was Schandmaul angeht: Die Songs, die ich mag, mag ich sehr gerne, mit dem Rest kann ich teilweise nur wenig anfangen. Das allerdings weiß die extrem sympathische Band bei ihren Konzerten aber regelmässig zu überspielen, live haben Schandmaul mich immer begeistert, u.a. hier und hier.

Da meine Freundin die Musik fast ohne wenn und aber mag, buchten wir relativ früh das “10 Jahre Schandmaul Komplett Packet” inkl. Busfahrt von Köln nach München und zurück, Hostel und Aftershowparty für relativ wenig Geld.

An dieser Stelle muss der Band und ihrem Management ein dickes Lob ausgesprochen werden: Die Organisation war fabelhaft, selbst an gesponsorte Verpflegung im Bus war gedacht. Bis auf wenige Startschwierigkeiten wurden Uhrzeiten eingehalten und auch Check-In und Zimmerbelegung war gut geplant. Hut ab vor demjenigen, der über 20 Busse und eine entsprechende Menge Zimmer für die Reisenden organisiert hat.

Sinnbilder

Neben besagten Naschereien gab es im Bus die neue Schandmaul DVD “Sinnbilder” zu sehen. Nette Geste, den Fans die Scheibe direkt am Erscheinungstag zu zeigen.

Da Netinfect es leider nicht geschafft hat, das Rezensionsexemplar pünktlich zu schicken, kann ich meine Eindrücke auch gut hier unterbringen: Das Hauptthema der DVD sind persönliche Gedanken, Eindrücke und Gefühle der 6 Bandmitglieder Anna, Birgit, Stefan, Thomas, Martin und Matthias.

Auf der einen Seite finde ich es faszinierend, dass die Band so offen mit ihrem Privatleben umgeht, von ihren Refugien auf dem Land, von ihren Lebenspartner und vieles mehr erzählt, auf der anderen Seite denke ich aber auch: Wen interessiert es? Auch wenn ich mich bei 2 anderen Bands wirklich als “Fan” empfinde, dann immer nur als Fan der Musik. Sicherlich faszinieren mich Menschen wie Brian May und Farin Urlaub, anderseits werden sie aber nicht deswegen automatisch zu meinen “Freunden”, nur weil ich ihre Musik toll finde; ergo warum sollten die mir ihr Privatleben offenbaren und warum sollte ich Interesse dran haben?

In der Summe bestimmt sehenswert für Menschen, die in der Band einen virtuellen Freund sehen, für mich eher unter der Rubrik “aha und jetzt?” abgelegt.

Interessanter dagegen ist die komplette Aufzeichnung des Wacken Open Air Gigs von Schandmaul im Jahr 2007. Gute Bildqualität, absolut bombastische Stimmung und eine tolle Dokumentation eines grandiosen Gigs.

Busfahrt

10 Jahre Schandmaul

Irgendwann wurde es mir leider im Bus echt zuviel mit Schandmaul Musik. Eine Eigenart meinerseits ist, vor Konzerten fast nie CDs der jeweiligen Band anzuhören, um nicht auf dem Konzert schon genug von der Musik zu haben.

Ist klar, dass das nicht jeder so sieht wie ich und so hatten wir dann irgendwann in München so ziemlich die komplette Diskographie gehört bzw. so fühlte es sich bei mir dann an.

Das schönste an der Tour war dann tatsächlich, noch mal ein paar ganz andere, nette Menschen kennen zu lernen. Durch die Bank sympathische Menschen und das ohne großen Mengen Alkohol.

Konzert

7000 Menschen. Der Wahnsinn. Das erste Mal habe ich Schandmaul in Köln in der nicht wirklich komplett gefüllten Live Music Hall in Köln gesehen. Was für ein Weg bis zum ausverkauften Zenith in München.

Ich gönne den 6 den Erfolg von Herzen, aber wie sooft, die Gemütlichkeit auf den Konzerten ist dann natürlich weg, mir war es zu voll, zu groß.

Die Songauswahl war zwar wirklich gut, aber ich war irgendwann so angenervt vom permanenten Rumhüpfen und dem schunkelnden Meer an Armen, dass es mir nicht wirklich Spaß gemacht hat und trotz der sichtlich gut gelaunten und gerührten Band kein Funke überspringen wollte. Mal wieder ärgert mich an dieser Stelle, dass ich mir oft von meiner eigenen, schlechten Laune einen eigentlich guten Tag, ein schönes Erlebnis versauen lasse; vor allem, wenn ich noch mal zurückdenke, wie begeistert ich in Trier war. Na ja, irgendwann lern’ ich’s schon noch.

Wenigstens meiner Freundin hat das Konzert von vorne bis hinten Spaß gemacht.

10 Jahre Schandmaul

Die Highlights für mich waren wie sooft Seemannsgrab, Vogelfrei, Walpurgisnacht und das grandiose Kein Weg zu weit. Auch gut das Trinklied und die ruhigen Stücke wie Sonnenstrahl und Willst Du?.

In den 3 Stunden gab es mehrere Parts: Schandmaul, Schandmaul mit Unterstützung durch einen kleinen Chor sowie einem Teil der letzten Instanz und Frau Schmidt von Subway To Sally und Schandmaul mehr oder weniger unplugged.

Gerade bei letzterem dachte ich: Oh, weniger ist mehr; der Teil des Konzertes hat mir dann tatsächlich am besten gefallen.

Passend zu meiner “persönlichen Freunde These” von weiter oben ist der Eindruck, den Schandmaul auf der Bühne bieten: Sichtlich und ernsthaft gerührt ob ihrer Fans. Finde ich irgendwie gut.

Wirklich spannend war das absolut gemischte Publikum: “Normalos”, “Gothics”, jüngere und ältere Menschen, Leute in ganz normalen Klamotten, ziemlich üble Modeopfer (ich schätze mal, das soll Mittelalter o.ä. sein), “dicke Männer mit Bärten” (verglichen Knorkator “Für meine Fans”), die ganze Palette. Irgendwie hat Schandmauls Musik etwas, das Alters- und Schubladen übergreifend ist. Ich merke das selber an einigen Songs, die mich sehr berühren und mich selbst in Momenten absolut schlechter Laune zum Lächeln bringen bzw. gute Erinnerungen hervorrufen.

Party im Backstage

Kann ich “leider” nicht viel zu sagen: Ich war kurz da, fand es viel zu voll, viel zu Disko und bin wieder gegangen. Verpasst habe ich deshalb die “Letzte Instanz”, die Schandmaul mit Coverversionen ein dreiviertelstündiges Geburtstagsgeschenk gemacht hat, ein paar bekanntere DJs und natürlich die Band selber. Natürlich hätte ich gerne noch mal ein Foto mit Anna gemacht, aber nur deswegen wollte ich mir das nicht antun, ist definitiv nicht meine Welt.

Manchmal beneide ich ja die Menschen, die in diesem Rahmen abzappeln können ohne sich um die Welt zu scheren. Ich kann das meistens nur zu Hause, aber dann ist das auch meistens wirklich Ausdruckstanz und dafür ist die Welt einfach noch nicht bereit ;) .

Wiederholung?

Ich weiß es noch nicht… Ich war dieses Jahr auf einem Festival und bin 2 mal wegen eines Konzertes nach Berlin und einmal nach München gefahren. Im Moment ist irgendwie die Luft raus, zumindest was Gedränge, schlechte Luft und ewig langes Anstehen angeht. Irgendwie schade, aber ich brauch eine Pause von den größeren Veranstaltungen, sei es Festivals oder Konzerte.


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Geschrieben am Montag, 17. November 2008 von Michael J. Simons in Konzerte und verschlagwortet mit