Darf ich das Twittern?

Das Internet ist kaputt.” sagt Jaron Lanier. Au contraire, lieber mir unbekannter Cyberspace Pionier. Das Internet hat in der Vergangenheit mein Leben bereichert und bereichert es nach wie vor.

Wie das, wenn in den letzten Monaten allerorten von Cybermobbing, Shitstorms, Betrug und dergleichen zu lesen ist?

Mein kleines Weltbild ist in den letzten Jahren aufgrund vieler Kontakte im Internet reicher und vielfältiger geworden, neue Ansichten, die ich kennen und schätzen gelernt und auch neue Ansichten, die ich kennen gelernt habe, aber nicht teile.

Natürlich habe ich mir auch online eine eigene, kleine Filterblase, aber in der stecken weitaus mehr Menschen drin, als es mir offline jemals ernsthaft möglich wäre. Ich könnte jetzt mit konkreten Beispielen von Menschen anfangen, die ich kennengelernt habe, aber da ich niemanden ausschließen will, schreibe ich mal wieder nur von unserer kleinen Gesellschaft an Fratzenschneidern, die mich nun schon fast seit 2006 begleitet und von denen ich mittlerweile fast alle persönlich kenne.

Viele Menschen haben glaube ich in ihrem Leben nicht gelernt, andere Meinungen nicht nur zu tolerieren, sondern auch zu akzeptieren und verfügen oftmals nicht über geeignete Mittel, dies zum Ausdruck zu bringen.

Geschlechtergerechte Sprache ist für mich eines der Beispiele für Dinge, die mir erst durchs “Internet” wirklich bewusst geworden sind. Vieles, was in diesem Kontext veröffentlicht wird, hat mein Denken verändert und mich erst wirklich auf Fehler aufmerksam gemacht, die ich im täglichen Leben mache. Nichts desto trotz werde ich sicherlich nicht in naher Zukunft all zuviel mit den Ideen von Professx lann hornscheidt anfangen können, das ist nicht die Sprache, die ich sprechen möchte. Trotzdem, lann als Person anzugreifen, ihn anzupöbeln? Nein. Man braucht diese extremen Ideen, um Fortschritt zu erreichen. (Das ist nur ein Thema aber eines, bei denen ich größere Schwierigkeiten habe, einige Ideen udn Vorstellungen zu begreifen.)

Ich habe auf Twitter viele Menschen des “Elternclans” kennen gelernt und zumindest das, was einige davon publizieren, beschämt mich in dem Sinne, dass ich es gerne genauso gut machen würde. Ich kann meinen Ärger darüber positiv nutzen und versuchen, etwas in meinem eigenen Leben zu ändern, ich könnte aber auch die Menschen hinter den Avataren und Handles angreifen.

Twitter. Warum der Titel? Vor einigen Abenden saßen meine Frau und ich auf der Couch, einer von uns äußerte eine flappsige Idee deren Umsetzung unserem Zusammenleben sicherlich nicht zuträglich wäre und der andere meinte nur: “Darf ich das Twittern?”.

Das Internet und die Öffentlichkeit, der ich mich über meinen Twitteraccount und insbesondere auch meinem täglichen Selbstportrait Projekt aussetze, führt für mich dazu, dass ich daran arbeite, auch im echten Leben mehr der Mensch zu sein, dessen Teile ich nach außen zeige. Am Ende vom Tag für das für mich zu einem besseren Leben.

Ich werde auch in Zukunft ein Privatleben haben, das hat sich in den vergangenen 10 Jahren nicht schon nicht geändert, aber ich freue mich jedes Mal über mein eigenes Verhalten, wenn ich für mich oder auch in der Öffentlichkeit machen kann, ohne jemanden zu verletzten.

Zurück zum Anfang: Das Internet ist nicht deshalb kaputt, weil einige Individuen sich lästig bis menschenverachtend bedrohlich aufführen. Die Gedankenwelt der Menschen, das asoziale Verhalten, ist auch ohne Internet in der Welt, nur das Internet macht es sichtbar und für mich ist das erstmal eine gute Sache. Nicht das Verhalten, sondern die Tatsache, dass Asozialität öffentlich wird.

Wenn wir es schaffen, dass nicht konservative Ideen eines Laniers zur Triebkraft werden, sondern dass wir daran arbeiten, menschenverachtendes Verhalten als genau das zu Brandmarken was es ist, können wir on- und offline etwas besseres schaffen, oder wie tante schreibt: “Do it anyway”.


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Geschrieben am Mittwoch, 15. Oktober 2014 von Michael J. Simons in Blog und verschlagwortet mit